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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 2. Okt.

Vortragstitel:
Soziologie – Verwissenschaftlichung durch Amerikanisierung
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Geschichtsmethodik/-theorie
Sektion:
Chancen und Grenzen von Remigration und Fach-Transfer in deutschen Geistes- und Sozialwissenschaften

Abstract:

Soziologie – Verwissenschaftlichung durch Amerikanisierung

Referent/in: Uta Gerhardt, Heidelberg

Die Disziplingeschichte der Soziologie in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hatte nach dem Kahlschlag des Nationalsozialismus drei Aufgaben zu bewältigen. Der Beitrag erläutert im Überblick - wiewohl trotzdem skizzenhaft - die Problemlage:

(1) Die hybride Begrifflichkeit der Nazizeit war durch die facheigene (wieder) zu ersetzen, wozu auch die neu geschaffenen Lehrstühle und Forschungsinstitute beitrugen, die die Besatzungsmächte gründen halfen.
(2) Die soziologische Theorie Georg Simmels, Max Webers und Alfred Schütz', 1933 ins Abseits gedrängt, musste wieder rezipiert werden, wozu die amerikanischen Beiträge zum Fünfzehnten Deutschen Soziologentag 1964 in Heidelberg wesentlich beitrugen, der Auftakt der werkgetreuen Theoriendebatte.
(3) Die empirischen Forschungsmethoden hatten in den Jahren seit 1933 in den USA einen rasanten Aufschwung genommen, der nunmehr nach Westdeutschland transferiert werden musste, was einen regelrechten Neuanfang der systematischen Sozialforschung bedeutete.

Die Nicht-Remigrierten, also die bis 1945 in Deutschland Tätigen (Helmut Schelsky, Leopold von Wiese), konnten sich in der Disziplingeschichte der fünfziger Jahre teilweise noch eine Zeitlang behaupten, aber ihr Theoriekonzept war obsolet, ihr Methodenwissen den neuen Surveyverfahren nicht entsprechend. Die wenigen Remigranten, die zudem erst ab 1948/1949 wieder an einer Universität der Bundesrepublik lehrten (Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, René König, Hellmuth Plessner) waren sehr bald die einflussreichen Denker, die der Soziologie den Rückweg zur wissenschaftlich begründeten Disziplin ebneten. Sie waren oder wurden die Verfechter und Vertreter jener klassischen Soziologie, die im amerikanischen Exil überlebt hatte und nun wieder in Deutschland heimisch werden konnte, oder jener amerikanischen Ansätze, die sie im Exil kennengelernt hatten und nun in Deutschland verkörperten.