Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Das Thema der Gleichheit und der Ungleichheit im öffentlichen Diskurs der griechischen Städte der hellenistischen Epoche
Referent/in: Patrice Hamon, Rouen
Die Ehrendekrete der Magistrate sind unsere Hauptquelle, um die Ideologie zu analysieren, die in den demokratischen Städten des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. dominierte, insbesondere in der Ägäis und in Kleinasien. Eine der essentiellen Tugenden des guten Magistraten war die isotes, d.h. die Sorge darum, alle Bürger als Gleiche zu behandeln, ganz unabhängig von ihrem Vermögen, ihrer Erziehung oder ihren persönlichen Beziehungen. Diese Eigenschaft ist fast immer mit der dikaiosyne verknüpft, der „Sorge um das Gerechte“, denn der Magistrat verhängte Sanktionen oder verteilte Pflichten: Agoranomen, Gymnasiarchen und auch Phrourarchen werden daher als isoi kai dikaioi bezeichnet. Der starke politische Bezug der isotes bezeugt, daß die Ideologie der isonomia in den hellenistischen Städten lebendig war.
Die sogenannten „großen Euergeten“ nahmen indessen im Verlauf des 2. Jahrhunderts v. Chr. ein neues Verhalten während ihrer Magistratur an. Sie behielten die Sorge um die isotes bei, aber sie weiteten sie oft auf alle Bewohner der Stadt aus, auf Bürger und Nichtbürger, mit einem eher philanthropischen als politischen Gestus. Die beste Gelegenheit, diese Großzügigkeit in Szene zu setzen, war die Organisation von Banketten, die allen offen standen und in denen die Statusgrenzen zwischen den einzelnen absichtlich außer Kraft gesetzt waren: Bürger, Fremde und Sklaven wurden in der Zeit des Festes als „Gleiche“ präsentiert. Die Dekrete für die großen Wohltäter formulieren die isotes um, indem sie ihr eine soziale Färbung verleihen, die in der Phraseologie dieser Dokumente ganz neu ist. Die „Gleichheit“ verliert nach und nach ihren politischen Sinn, das Erbe des klassischen Athen; diese Entwicklung fällt mit einer gewissen Erosion der demokratischen Ideologie in den meisten griechischen Städten zusammen.