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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 2. Okt.

Vortragstitel:
Kieselsteine, Kichererbsen und Kartographen: Geographische Imagination und Wissenstransfer zw...
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Wissenstransfer und Mission vom 17. bis zum 19. Jahrhundert

Abstract:

Kieselsteine, Kichererbsen und Kartographen: Geographische Imagination und Wissenstransfer zwischen europäischen Jesuiten und mikronesischen Insulanern um 1700

Referent/in: Ulrike Strasser, Kalifornien/ USA

Die Produktion geographischen Wissens und die kartographische Erschließung 'neuer Welten' begleiteten von Anfang an die europäische Expansion. Die kulturelle und politische Unterordnung indigener Lebenswelten wurde durch deren progressive Einschreibung in europäische Kartographien vorbereitet und konsolidiert. Bei diesem Prozess kultureller Aneignung spielten Missionare als Handlanger der Kolonialpolitik oftmals eine wichtige Rolle. Darüber hinaus führte jedoch die  Missionstätigkeit zu einer eigenen Dynamik der Wissensproduktion. Jahrelange Aufenthalte an der kolonialen Peripherie banden die Missionare in lokale Wissenszusammenhänge ein, die anderen Europäern verschlossen blieben. Entsprechend reflektieren die von Missionaren erstellten Karten mehr als den zu erwartenden europäischen „Blick auf das Andere.“ Sie sind immer auch Produkt einer spezifischen Situation missionarischen Wissenserwerbs und indigenen Inputs. Mein Vortrag untersucht dies am Beispiel der Entstehung und Rezeption der ersten europäischen Karten und Berichte von den Palaos-Inseln und karolinischen Inseln im Pazifik, der „Neuen Welt des 18. Jahrhunderts“ (A. Frost). Die Berichte und Karten zweier Jesuitenpatres, des Böhmen Paul Klein und des Mailänders Juan Cantova, erschienen in mehreren europäischen Sprachen und machten an der Kurie und europäischen Höfen Furore. Dabei basierten die jesuitischen Berichte ausschließlich auf Interviews mit gestrandeten Insulanern, welche den Missionaren die genaue Lage ihrer Heimatinseln mittels Kieselsteinen zu vermitteln versuchten. Diese paradigmatische transkulturelle Kommunikation zwischen Ungleichen soll aus der Perspektive einer historischen Kulturtransferforschung näher betrachtet werden. Der Vortrag beleuchtet so die wechselseitige Bedingtheit von Wissenserwerb, Kolonialpolitik und Missionen in einem frühneuzeitlichen katholischen Kontext.