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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Der Zar und das Reich: Herrschermobilität und Repräsentation von Macht in Russland im späten 19. Jahrhundert.
Referent/in: Frithjof Benjamin Schenk, München
Die Herrscherreisen innerhalb des eigenen Landes waren ein Mittel symbolischer Politik im Europa des 19. Jahrhunderts. Sie ermöglichte es den Regenten, sich an ein Publikum zu wenden, das weit über die engen Kreis des Hofes und der hauptstädtischen Bevölkerung hinausging. Der lokalen Bevölkerung gewährten sie einen Blick auf den Monarchen, der sonst nur als geografisch und sozial entfernte Figur wahrgenommen wurde. Die Herrscherreisen medialisierten zudem territoriale Machtansprüche.
Wer die Inszenierung von Herrschaft untersuchen will, dem bietet sich das zarische Russland, das größte Kontinentalreich der Erde mit einem auf den Selbstherrscher orientierten Regierungssystem, als lohnende Fallstudie an. Wie die anderen europäischen Monarchien wurde das symbolische Integrationspotential der Selbstherrschaft der Romanow-Dynastie im 19. Jahrhundert durch Nationalbewegungen und Forderungen nach politischer Beteiligung der Gesellschaft herausgefordert. Die Reise des Monarchen war eine Form, das mythische Bild der Einheit von „Zar und Volk“ unter den Untertanen zu propagieren. Die Modernisierung der Infrastruktur schuf dafür auf den ersten Blick günstige Bedingungen.
Der Vortrag verfolgt das Ziel, einen Überblick über die Geschichte der Herrscherreise in Russland von 1825 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs zu geben. Er fragt nach der Veränderung der Mobilität der vier letzten russländischen Kaiser und entwickelt eine Typologie der russischen Herrscherreise. Den Kern der Argumentation bildet ein scheinbar paradoxer Befund: Ungeachtet der Modernisierung der Infrastruktur des Reiches im 19. Jahrhundert und der wachsenden Bedeutung des offiziellen Mythos von der Einheit von „Zar und Volk“ nahm die Mobilität der russischen Zaren in der zweiten Hälfte des Säkulums nicht zu, sondern ab.