Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Macht Arbeit Männer krank? Erwerbsarbeit, Geschlecht und gesundheitsrelevante Lebensstile im 20. Jahrhundert
Referent/in: Susanne Hoffmann, Mannheim
Die Erwerbsbeteiligung wie die Erwerbsstruktur sind in industrialisierten Gesellschaften nach Geschlecht differenziert gestaltet. Dieser „geschlechtsspezifische Arbeitsmarkt“ (Beck-Gernsheim) gilt, auf Grund seiner unterschiedlichen Risiken und Ressourcen für die Gesundheit von Männern und Frauen, als eine mögliche Ursache der männlichen Übersterblichkeit seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Berufskrankheiten, Arbeitsunfälle und „Stress“ zählen zu den wesentlichen Gefahren einer Erwerbstätigkeit; ihr gesundheitsförderndes Potential kann in psychologischen, sozialen und verhaltensstilprägenden Effekten liegen, ist in der historischen Forschung kaum berücksichtigt worden. Macht Arbeit also Männer krank, gesund oder tot – kränker oder gesünder als Frauen?
Diese Fragen greift der Beitrag auf, indem er distinkte Arbeitsverhaltensstile von Männern und Frauen, die während des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum gelebt und gearbeitet haben, sichtbar macht. Am Beispiel Erwerbsarbeit wird die Genese gesundheitsrelevanter Lebensstile im 20. Jahrhundert zur Diskussion gestellt und das Lebensstilkonzept für die alltagshistorisch orientierte Gesundheits- und Geschlechtergeschichte fruchtbar gemacht. Lebensstile gelten in der Gesundheitssoziologie derzeit als Schlüssel, um gesundheitliche Ungleichheiten zu erklären. Das Konzept erlaubt Deutungs- und Verhaltensmuster von Individuen oder Gruppen analytisch an multiple Bedingungsfaktoren zu koppeln: Geschlecht, Schicht und Alter haben sich für gegenwärtige Gesellschaften als die wichtigsten stilbildenden Faktoren erwiesen, neben Wohnort, Konfession und Nationalität. Mit dem Lebensstilkonzept kann Geschlecht so in seiner Intersektionalität mit anderen Dimension sozialer Ungleichheit situiert werden.
Der Beitrag nimmt Gesundheitsverhaltens- und -lebensstile aus der individuellen, der subjektiven Perspektive in den Blick. Als Quellengrundlage dient ein Korpus aus unveröffentlichten, so genannten „popularen“ Autobiographien von 155 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beide Geschlechtergruppen, die Geburtsjahrgänge 1890 bis 1940 und alle sozialen Schichten sind darin ausgewogen repräsentiert. Die Stichprobe wurde mit Methoden der quantifizierenden Korpus- sowie der qualitativen Textanalyse erschlossen.