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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Die Verkörperung der Nation: Sport, Gesellschaft und Politik im China des 20. Jahrhunderts
Tag:
02.10.2008
Epoche:
Zeitgeschichte
Sektion:
Arenen der Ungleichheit. Sport, Ethnizität und Geschlecht in modernen Gesellschaften

Abstract:

Die Verkörperung der Nation: Sport, Gesellschaft und Politik im China des 20. Jahrhunderts

Referent/in: Thoralf Klein, Universität Konstanz

Der moderne internationale Wettkampfsport beruht auf der keineswegs selbstverständlichen Idee der Vergleichbarkeit sportlicher Leistungen. Er setzt somit einen transnationalen, standardisierten Athletenkörpers voraus, der diese Vergleichbarkeit herstellt. Erst unter diesen Voraussetzungen kann man im Kontext des sportlichen Vergleichs nationale und ethnische Kategorien auf den Sportler projizieren, um ihn gleichsam als Verkörperung eines bestimmten Kollektivs erscheinen zu lassen. Wie sehr die Schaffung des transnationalen Athletenkörpers von je spezifischen soziokulturellen Voraussetzungen geprägt war, lässt sich am Beispiel Chinas mustergültig verfolgen, da sie sich hier im frühen 20. Jahrhundert in dreifacher Hinsicht als Bruch vollzog: erstens als Abkehr vom traditionellen gesellschaftlichen Ideal des seinen Geist, nicht aber seinen Körper kultivierenden Gelehrten, zweitens in der Abgrenzung von „traditionellen“ (Kampf-) Sportarten mit ihren völlig verschiedenen Konzeptionen von Körperkultur. Der dritte Bruch betraf die Abschaffung des ausschließlich bei Frauen praktizierten Füßebindens, das bis dahin die physische Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt hatte.
Vor diesem Hintergrund wurde der transnationale Körper des Sportlers rasch zu einer der wichtigsten Figuren, die das moderne China repräsentierten. Damit war zugleich unterschiedlichsten Formen seiner politischen Nutzung Tür und Tor geöffnet: als Symbol der nationalen Errettung im Kampf gegen den (japanischen) Imperialismus, als Zeichen der freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Nationen, aber auch als Fanal des Anspruchs auf Weltgeltung. Der vorliegende Beitrag untersucht die Funktionalisierung des Athletenkörpers durch die aufeinanderfolgenden Regimes der Nationalpartei Guomindang (1928-1949) und der Kommunistischen Partei Chinas (1949-heute).