Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert

Berichte und Bilder finden Sie in unserem Blog

Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
header600_200_programm.jpg

Vortragstitel:
Vertrauen – Politische Semantik zwischen Herausforderung und Besänftigung
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Vergessene Kategorien sozialer Integration: Ehre, Treue und Vertrauen

Abstract:

Vertrauen – Politische Semantik zwischen Herausforderung und Besänftigung

Referent/in: Ute Frevert, New Haven

Politik wirbt um Vertrauen, in Wahlkämpfen und bei wichtigen Entscheidungen. Seit den 1980er Jahren ist „Vertrauen“ zu einer wichtigen emotionalen Chiffre politischer Kommunikation geworden, von Helmut Kohl ebenso abgerufen wie von Gerhard Schröder. Wofür aber steht der Begriff? Was setzt er voraus, was verschweigt er? Und woher kommt er? Diesen Fragen geht mein Beitrag nach: Er skizziert die politische Semantik des Vertrauens seit dem Vormärz und vertritt die These, dass sich „Vertrauen“ damals als politischer Kampfbegriff positioniert hat, als ein modernes Substitut für „Treue“. Gehörte „Treue“ zu den altständischen, aus der mittelalterlichen Gesellschaft tradierten Tugenden, passte sich „Vertrauen“ in das neue, demokratische System des Parlamentarismus ein. Das heißt aber nicht, dass der Begriff auf dieses System abonniert blieb. Auch nichtdemokratische Regime des 20. Jahrhunderts griffen darauf zurück und machten sich seinen emotionalen Überschuß zunutze. Vor allem der Nationalsozialismus pflegte eine ausufernde Vertrauens-Semantik, in der die Grenzen zur Treue verschwammen. Nicht zuletzt deshalb gerieten beide Begriffe nach 1945 außer Gebrauch. Im Unterschied zur Treue aber erlebte „Vertrauen“ eine Renaissance in politischer Theorie und Praxis.