Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Ehre – Zur Relevanz des Ehrkonzepts bei der Auslösung des deutsch-französischen Krieges 1870
Referent/in: Birgit Aschmann, Kiel
Dass die Ehre auch heute noch eine Frage von Leben und Tod sein kann, zeigen jene „Ehrenmorde“, denen zumeist junge Migrantinnen aus traditionellen muslimischen Familien zum Opfer fallen. Doch was heute der krude Codex einer nach europäischen Maßstäben total fremden Kultur zu sein scheint, war im 19. Jahrhundert in den westeuropäischen Gesellschaften durchaus handlungsleitende Maxime. Dabei bezog sich das Ehrempfinden nicht allein auf persönliche Integrität oder familiäre Kreise, sondern auch immer mehr auf das nationale Kollektiv. Die Bereitschaft, die Verteidigung der eigenen Ehre über die Lebensinstinkte zu stellen, machte die Ehre im Zeitalter des Nationalismus für dessen Propagandisten besonders attraktiv, als sie erstens eine ideale Integrationsideologie für die Bürger bot und zweitens Einsatz und Opferbereitschaft der Einzelnen im Dienste der nationalen Massenheere reklamierte und legitimierte.
Der Vortrag möchte zunächst die Mechanismen und Systematik des Ehrendiskurses darstellen und zeigen, auf welche Weise Fragen individueller und kollektiver Identität in den Diskursen über die Ehre miteinander verknüpft werden. Wie Gefühle hervorgerufen und Deutungen festgeschrieben werden, um dann eine unvermeidbare Zwangsläufigkeit des kollektiven Waffengangs zu suggerieren, soll schließlich am Beispiel der Genese des als Duellkampf beschriebenen deutsch-französischen Kriegs von 1870 nachgezeichnet werden. Das Beispiel illustriert die extrem hohe Sensiblität westeuropäischer Gesellschaften für Statusfragen und verdeutlicht zugleich die Explosivität des manipulativen Gebrauchs der Ehre.