Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Ravenna – eine Festung als Residenzstadt
Referent/in: Andreas Goltz, Bamberg
Als die Westgoten Anfang des fünften Jahrhunderts Norditalien bedrohten, zogen sich Kaiser Honorius und der Hof 402 in das als uneinnehmbar geltende Ravenna zurück. Obwohl der Aufenthalt in der norditalischen Festung zunächst nur eine Notlösung darstellte, etablierte sich Ravenna bald als Kaiserresidenz. Damit rückte die abseits der großen Verkehrsverbindungen liegende, nicht allzu bevölkerungsreiche Stadt, die bisher zwar als Flottenstützpunkt militärische Bedeutung besessen, auf überregionaler Ebene aber kaum eine Rolle gespielt hatte, ins Zentrum des Reichsgeschehens. Für die Stadtbevölkerung bedeutete dies einen tiefen Einschnitt mit je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlichen Folgen. Während die Ravennater Kirche von der Entwicklung profitierte, brachte sie für die Kurialen eher eine Verschlechterung ihrer Situation, da ihnen kein Aufstieg in die Hofaristokratie gelang und sie einen Bedeutungsverlust hinnehmen mußten. Für die einfachere Stadtbevölkerung gestaltete sich die Situation ambivalent. Einerseits hatte sie unter militärischen und höfischen Konflikten zu leiden, andererseits gewährte der kaiserliche Hof erhebliche Unterstützungen und Ravenna erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zu einem bedeutenden kulturell-intellektuellen Zentrum entwickelte sich Ravenna im fünften Jahrhundert jedoch nicht, zu prägend waren der Festungscharakter und die Lage der Stadt sowie die schwierigen Zeitumstände.