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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Ungleiche Netzwerke: Deutsche Professoren und englische Gentleman-Scholars
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Intellektuelle und Professoren - eine europäische Ungleichheit

Abstract:

Ungleiche Netzwerke: Deutsche Professoren und englische Gentleman-Scholars am Beginn der Moderne

Referent/in: Thomas Biskup, Hull

Ob „Gelehrten-Intellektueller“ (Hübinger) oder „politischer Professor“ (Ries) – der Anfang der Intellektuellen-Geschichte in Deutschland wird zumeist im 19. Jahrhundert angesetzt. Allerdings ist zu fragen, ob diese Narrative nicht auch Resultat der Selbststilisierung jener Gelehrten sind, die sich nach den revolutionären Umwälzungen um 1800 selbst von älteren Modellen politisch engagierten Gelehrtentums abgrenzten und für sich den Beginn einer neuen, „nationalen“ Epoche reklamierten.
Chronologisch geht dieser Vortrag vor die Zäsur von Französischer Revolution und Napoleonischen Kriegen zurück, die auch das Ende der frühneuzeitlichen Gelehrtenrepublik bedeutete. Geographisch wird mit Grossbritannien ein Land einbezogen, für das mangels des von der Forschung lange zur Norm erklärten französischen Intellektuellentyps häufig ein weiterer „Sonderweg“ in die Moderne je nach politischem Standpunk gefeiert oder beklagt wurde.
Der Vortrag fragt anhand sich als aufgeklärt verstehender Gelehrter in Deutschland und Grossbritannien nach Möglichkeiten, die Geschichte politischer Gelehrter jenseits einer blossen Vorgeschichte der Intellektuellen des späteren 19. und 20. Jahrhunderts zu schreiben.
Damit nimmt der Beitrag die jüngst aufgeworfe Frage ernst, was passiert, wenn der „Appell an das Publikum“ sich eben nicht an eine massenmediale Öffentlichkeit richtet. Hier wird die Frage nach anderen (Teil-)Öffentlichkeiten virulent, die besonders in der Frühneuzeitforschung diskutiert wird.
Im Mittelpunkt steht das Geflecht von Hof und Öffentlichkeit, in dem die hier beispielhaft vorgestellten Gelehrten operierten, und das von eigenen, exlusiveren Kommunikationspraktiken geprägt war. Dabei werden zunächst die unterschiedlichen Institutionen und Medien untersucht, über die Gelehrte politische Wirksamkeit zu erreichen suchten. In einem zweiten Schritt wird anhand der Zusammenarbeit deutscher und englischer Gelehrter vor 1806 das Problem transnationalen Austausches untersucht, der Grundlage der europäischen Gelehrtenrepublik war, aber gerade in Grossbritannien im Laufe des 18. Jahrhunderts zunehmend unter den Druck imperialer Ansprüche und internationaler Spannungen geriet.