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SUMMARY:[Historikertag 2025] Daten und Macht. Politiken der Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die historische Forschung
DESCRIPTION:In der Geschichtswissenschaft sind machtpolitische Dimensionen der Bewahrung von Kulturerbe spätestens seit den 1970er Jahren theoretisiert worden. Jede Phase des Archivierungsprozesses – von der Sammlung über die Erschließung bis hin zur Bereitstellung – ist von Machtdynamiken geprägt. Diese beeinflussen, welche Quellen und Inhalte bewahrt oder marginalisiert werden und wer Zugang hat, um Geschichte schreiben zu können.
Die Digitalisierung rückt diese alten Fragen um machtpolitische Aspekte der Entstehung und Erschließung von Quellen erneut in den Vordergrund und erweitert sie um zusätzliche Dimensionen und Dringlichkeit. Digitalisierung ist kein neutraler Prozess, sondern eine machtpolitische Inwertsetzung von Kulturgut. Daten – als digitale Repräsentationen von Retrodigitalisierungen, als Born Digitals und Erschließungsdaten – sind nicht einfach gegeben, sondern konstruiert und Ergebnisse sozio-materieller Anordnungen. Entscheidungen zur Auswahl von Quellen, ihrer Anreicherung mit Metadaten und Gestaltung digitaler Infrastrukturen knüpfen an wissensontologische Traditionen an, erweitern diese und können quelleninhärente Verzerrungen verstärken. Denn die Massendigitalisierung bietet zwar einen stark erweiterten Zugang zu Quellen, doch sind bisher nur etwa 4% der europäischen Archivbestände digitalisiert, vor allem zur nationalen politischen Geschichte. Historiker:innen greifen jedoch zunehmend auf digital verfügbare Quellen zurück, was die Themenwahl beeinflusst und bestimmt, welche Narrative dominieren. Der Zugang zu digitalen Ressourcen ist zudem weltweit ungleich: Teile bleiben hinter Bezahlschranken oder sind, in kolonialer Tradition, für betroffene Gesellschaften und Communities nicht zugänglich, was die epistemische Ungleichheit zwischen Globalem Norden und Süden verstärkt.
Die Sektion beginnt mit einer kurzen Einführung und drei Impulsvorträgen (je 10 Minuten). Nach einer Diskussion auf dem Podium (20 Minuten) folgt eine Diskussion mit dem Publikum (35 Minuten).
Die Sektion ist aus den Diskussionen der Expert:innenrunde zur Digitalen Transformation der Geschichtswissenschaften der Task Area Data Culture in NFDI4Memory hervorgegangen, der neben Mareike König, Till Grallert, Gerald Hartung, Torsten Hiltmann, Tobias Hodel, Sarah Lang, Ursula Lehmkuhl, Jascha Schmitz und Silke Schwandt angehören.
Der Beitrag Daten und Macht. Politiken der Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die historische Forschung erschien zuerst auf Historikertag 2025.
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