Isabelle Deflers, Karen Hagemann (Sektionsleitung)

Geschlecht, Macht und Konflikt. Die Geschichte von Militär, Gewalt und Krieg neu denken?!

Themen: Epochenübergreifend, Geschlechtergeschichte
Sprache: Deutsch
Ort: Hörsaal 7
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Die Geschlechterforschung hat seit den 1980er Jahren zwar immer wieder die wichtige Rolle von „Geschlecht“ als Analysekategorie und Forschungsgegenstand für das Thema Krieg, Militär und Gewalt nachgewiesen, doch in der allgemeinen Forschung wird diese Perspektive nach wie vor weitgehend ignoriert. Alte Stereotype wie das von pazifistischen, fürsorglichen Frauen, die von den zum Militärdienst verpflichteten Männern verteidigt werden müssen, sind vielfach infrage gestellt worden, aber längst nicht überwunden. Offensichtlich tradieren sich in der Forschung wie in Gesellschaft, Politik und Militär Geschlechterbilder und -hierarchien, trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen. 

Wie ist das zu erklären? Was hat es einerseits mit den Machtverhältnissen in der Forschung selbst zu tun, und andererseits mit der zentralen Bedeutung von „Geschlecht“ in Militär und Krieg als einem „Genderproduzenten“, der weit darüber hinaus Bedeutung hat? Weshalb war und ist der Widerstand gegen die Einbeziehung von Frauen in die Streitkräfte nach wie vor so groß? Welche Bedeutung hatte und hat das Militär für die Definition von Männlichkeit? Aus welchen Gründen bleibt die geschlechtsspezifische Dimension ausgeübter und erlittener Gewalt in militärischen Konflikten heute noch ein wenig behandeltes Thema der historischen Forschung? 

In der Podiumsdiskussion werden diese und andere Fragen diskutiert, der aktuelle Forschungsstand reflektiert und dabei die Bedeutung der Geschlechterperspektive für das Thema sichtbar gemacht. Neben der historiographischen muss auch die institutionelle Dimension der Forschungspraxis und deren Machtverhältnisse erörtert werden, denn nur sie kann die anhaltende Ausblendung der Geschlechterperspektive erklären. 

Die Einführung und die drei Beiträge sollen jeweils nicht mehr als 10 Minuten dauern, so dass ausreichend Zeit für die Diskussion bleibt. 

Geschlecht, Macht und Konflikt: Einführende Bemerkungen (Einführung und Moderation)
Karen Hagemann (Chapel Hill)

In der Einführung werden der Ansatz einer Geschlechterperspektive für die Erforschung von Gewalt, Militär und bewaffneten Konflikten und dessen Bedeutung für das Verständnis von militärischen, politischen und sozialen Machtstrukturen knapp erläutert und die Fragestellungen der Podiumsdiskussion vorgestellt. 

Die geschlechterhistorische Perspektive in der Untersuchung der frühneuzeitlichen Militärgeschichte
Isabelle Deflers (München)

Der Beitrag reflektiert die frühneuzeitliche Militärgeschichtsschreibung in geschlechterhistorischer Perspektive. Er macht die „unsichtbaren Frauen“ in der frühneuzeitlichen Militärliteratur sichtbar, die insbesondere als Übersetzerinnen eine wichtige Rolle spielten. Die Machtdynamik zwischen den Geschlechtern war hier das Ergebnis eines historiographischen Prozesses, der von männlichen Historikern dominiert wurde. 

Krieg, Genozid und Männlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert
Thomas Kühne (Worcester, MA)

Der Beitrag erläutert die unscharfe Grenzziehung zwischen Krieg und Genozid und ihre Bedeutung für die Geschlechtergeschichte militärischer Konflikte. Zentral sind dabei die vom historischen Kontext abhängenden Bedeutungen von Männlichkeit und Gewalt und die Hierarchien zwischen Männern und Frauen sowie zwischen verschiedenen Männergruppen innerhalb und außerhalb der Streitkräfte. 

Militärische Konflikte und sexuelle Gewalt im 20. Jahrhundert
Anne-Laure Briatte (Paris)

Der Beitrag diskutiert geschlechtsspezifische Gewaltpraktiken in bewaffneten Konflikten des 20. Jahrhunderts. Dabei wird sexuelle Gewalt als Manifestation von Macht begriffen, die in einer spezifischen Machtdynamik zum Ausdruck kommt. Die Erforschung solcher kontextbezogenen Machtverhältnisse hilft bei der kritischen Aufarbeitung der Erfahrung von Betroffenen während und nach einem Konflikt, aber auch der kollektiven Erinnerung bzw. Verdrängung in Gesellschaft wie Geschichtsschreibung. 

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