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SUMMARY:[Historikertag 2025] „Kinderverschickung“ nach 1945. 50 Jahre staatlich legitimierter Machtmissbrauch an Schutzbefohlenen?
DESCRIPTION:Zwischen 1945 und 1990 wurden schätzungsweise über 10 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland zur Gesundheitsförderung auf mehrwöchige Kuren „verschickt“. In Werbeprospekten oder den Jahresberichten der Landkreise jahrzehntelang als medizinische Erfolgsgeschichte erzählt, mehren sich seit 2019 Berichte von Verschickungskindern über strukturelle Gewalterfahrungen während der Kuren. Im Zentrum stehen physische und seelische Misshandlungen sowie Therapieformen wie Zwangsliegekuren, aber auch Essenszwang – mitunter sogar des eigenen Erbrochenen. Durch die intensive mediale Berichterstattung befördert, haben sich bereits einige tausend Verschickte zu Wort gemeldet, ihre Geschichten in Foren veröffentlicht und sich organisiert. Zugleich gibt es Positivberichte. Auch die Politik ist zunehmend mit diesem medizin- und sozialhistorischen Massenphänomen befasst, dessen Erforschung indes noch ganz am Anfang steht.  
Die Sektion führt Zugänge aus bisherigen Forschungsprojekten zu unterschiedlichen Regionen und Schwerpunkten synergetisch zusammen, wobei die Projektergebnisse unter der Analysekategorie „Macht“ reflektiert und neu arrangiert werden. Mithilfe dieser Sonde können die wesentlichen Aspekte des Phänomens bis hin zum gegenwärtigen Aufarbeitungsdiskurs beleuchtet werden:  

Soziales Gefüge in Kurheimen zwischen Heimleitung, Betreuenden und Kindern (personale Dynamiken der Macht) 


Traumata von Verschickungskindern als Folge von Machtmissbrauch? 


Resonanzraum der Machtentfaltung: Kurheime als „totale Institutionen“? 


Staatliche Rahmenbedingungen / Heimaufsicht (Machtkontrolle?) 


Historische Entwicklungen (zeitliche Dynamiken der Macht); 

auf einer Meta-Ebene außerdem Frage nach Machtdynamiken im gegenwärtigen Aufarbeitungsdiskurs selbst: 

Soziale Dynamiken wie Klassismus oder Generationalität zwischen Kurkindern und Heimpersonal, 


Spannungsfeld der Deutungshoheit: Betroffeneninitiativen, Politik, Träger, Medien, Forschende. 

Auf vier Impulsvorträge à zehn Minuten folgt eine Diskussion zu diesem aktuellen, ebenso komplexen wie (deutungs-)heterogenen Thema unter dem Stichwort „Machtdynamiken“. Zu erwarten ist ein wesentlicher Beitrag zur Erklärung des Phänomens. 
Der Beitrag „Kinderverschickung“ nach 1945. 50 Jahre staatlich legitimierter Machtmissbrauch an Schutzbefohlenen? erschien zuerst auf Historikertag 2025.
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