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Vortragstitel:
Transnationale Parteienkooperation in der politischen Praxis: Die Sozialistische Internationale
Tag:
30.09.2010
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Über Grenzen – Transnationale Parteienkooperation in Europa

Abstract:

Transnationale Parteienkooperation in der politischen Praxis: Die Sozialistische Internationale im 20. und 21. Jahrhundert

Referent/in: Christoph Zöpel, Dortmund

 


Abstract

Eine internationale Parteienkooperationen linker Parteien gibt es seit 1864, auch wegen deren internationaler Programmatik. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich ein Spannungsverhältnis zwischen Kommunistischen und Sozialdemokratischen Parteien. 1951 wurde in Gegnerschaft zur von der KPdSU dominierten Kominform die Sozialistische Internationale (SI) mit 34 überwiegend europäischen Mitgliedsparteien gegründet. Verbindungen zu außereuropäischen Parteien entstanden vor allem im gemeinsamen Bestrebungen um Entkolonialisierung. Seit 1976, unter Vorsitz von Willy Brandt, weitete sich die SI gezielt in alle Weltregionen aus. Dabei war sie ein wichtiger Akteur im Ost-West-Konflikt – sowohl durch die Auseinandersetzungen mit kommunistischen Parteien, als auch durch die Gegnerschaft zu rechtsautoritären Systemen und durch Kontakte zur KPDSU. Nach der Implosion der kommunistischen Parteien in Osteuropa bemühte sich die SI um den Aufbau sozialdemokratischer Parteien und um deren Integration in die Parteienfamilie, vermochte es jedoch nicht, außerhalb Europas starke Mitgliedsparteien in den USA, in Indien und Brasilien aufzubauen. Programmatisch ist die SI nach 1989 auf die demokratische und soziale Gestaltung der Globalisierung, Konfliktvermittlung und Abrüstung konzentriert. Institutionell arbeitet sie vor allem in ihren halbjährlichen Ratstagungen, an denen jeweils über 100 Parteien teilnehmen. Diese „Councils“ sind Knoten in einem Netzwerk, das kontinuierlich genutzt werden kann, zur gegenseitigen Hilfe bei Wahlen, innerstaatlichen oder zwischenstaatlichen Konflikten bis hin zur Abstimmung im UN-Sicherheitsrat. Inwieweit sich diese transnationalen politischen Strukturen und Arbeitsweisen durch Sonderheiten und Spezifika – auch gegenüber der europäischen Parteienzusammenarbeit – auszeichnen, wird im Beitrag eingehender beleuchtet.