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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Guatemala - „Bedrohte Völker“ als Standortvorteil
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Der Schutz „bedrohter Völker“ – Humanitäre Hilfe, Expertentum und die Konstruktion von Ungleichheit

Abstract:

Guatemala - „Bedrohte Völker“ als Standortvorteil

Referent/in: Anika Oettler, Hamburg

Die „bedrohten Völker" in Guatemala stellen, je nach Quelle, mit einem Bevölkerungsanteil von 60% die Mehrheitsbevölkerung oder mit einem Bevölkerungsanteil von 40% eine numerisch gewichtige Bevölkerungsgruppe.

Im Mittelpunkt des Beitrages steht der guatemaltekische Prozess der ethnischen Grenzziehung, der eng mit der Entwicklung der US-amerikanischen Ethnologie verflochten ist. Seit dem späten 19. Jhdt. ist die guatemaltekische Gesellschaft von einer ethnischen Dichotomie gekennzeichnet, die auf der Unterscheidung zwischen indígenas und ladinos beruht, und von einem „pigmentokratischen System" (Cojtí Cuxil) überlagert ist.
Als 1996 ein 35-jähriger bewaffneter Konflikt, der aufgrund des genozidalen Ausmaßes der Repression nur schlecht als Bürgerkrieg zu bezeichnen ist, beendet wurde, gehörte die Wendung vom „multilingualen, plurikulturellen und multiethnischen" Charakter der Gesellschaft zum politischen Standardrepertoire. In den 1990er Jahren verfestigte sich andererseits die ethnische Dichotomie, die nun aus den zwei Polen ladinos - Mayas bestand. Vor diesem Hintergrund soll dargestellt werden, wie der „Schutz der bedrohten Völker" im Kontext der internationalen Tourismusindustrie - trotz faktischer Diskriminierung - zu einem Pfeiler der politischen Rhetorik wurde. Die präkolumbianische Maya-Kultur und die gegenwärtige rurale indigene Bevölkerung wurden als exotische Besonderheiten Guatemalas anerkannt.

Die Idee der Maya als „zu schützender" Bevölkerung ist stark verbreitet - die Mayanists hingegen haben sich längst neuen Themen zugewandt, insbesondere der transnationalen Reorganisation indigener Gemeinden