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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Die Ungleichheit des Volkes. Volksgemeinschaft in der politischen Kommunikation
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Ungleichheiten in der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“

Abstract:

Die Ungleichheit des Volkes. Volksgemeinschaft in der politischen Kommunikation der Weimarer Republik

Referent/in: Michael Wildt, Hamburg

 

Volksgemeinschaft war durchaus kein genuin nationalsozialistischer Begriff, sondern fand parteienübergreifend bereits in der Weimarer Republik weite Verbreitung. Popularisiert vor allem im Ersten Weltkrieg als Synonym für die geschlossene und kriegswillige Nation, stand der Begriff der Volksgemeinschaft auch nach 1919 in fataler Differenz zum Volk der Verfassung. In ihm drückte sich für die bürgerlichen Parteien ein Programm klassenüberwindender Ordnung aus, die die Spannung zwischen sozialer Ungleichheit und politischer staatsbürgerlicher Gleichheit zu harmonisieren suchte. Auch innerhalb der Sozialdemokratie fand der Begriff der Volksgemeinschaft Widerhall, als Einheit des schaffenden Volkes gegen eine kleine Schicht von Großgrundbesitzern und Konzerneignern.
Doch ging es hier vornehmlich um Inklusion, wenn auch mit der problematischen Negierung notwendiger politischer Kontroversen und Auseinandersetzungen innerhalb einer parlamentarischen Demokratie. Auf der rechten Seite des Parteienspektrums war das Inklusionsversprechen stets mit einer radikal exkludierenden Praxis verbunden. Volksgemeinschaft konstitutierte sich in der Exklusion derjenigen, die nicht zu ihr dazu gehören sollten, in erster Linie Juden. Antisemitismus und Rassenbiologismus bildeten daher ein unverzichtbares Element nationalsozialistischer Volksgemeinschaftspolitik.
Dadurch dass Exklusion in der nationalsozialistischer Propaganda mit der Gemeinschaftsverheißung an die – nicht jüdischen, nicht „asozialen“, nicht „erbkranken“, nicht homosexuellen – Volksgenossinnen und Volksgenossen einherging, waren Anschlussmöglichkeiten auch an die Teile der Bevölkerung gegeben, die in dem Begriff vornehmlich die Gemeinschaft, weniger das rassisch Völkische sahen. Volksgemeinschaft erwies sich damit als ein Begriff politischer Kommunikation, der gerade aufgrund seiner Vieldeutigkeit Einbindung und Umdeutungen ermöglichte, insbesondere Distanz zur parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik schuf.