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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Dynamik und Disparität. Die nationalsozialistische Rüstungsmobilisierung und die Volksgemeinschaft
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Ungleichheiten in der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“

Abstract:

Dynamik und Disparität. Die nationalsozialistische Rüstungsmobilisierung und die Volksgemeinschaft

Referent/in: Frank Bajohr, Hamburg

 

Die kollektive „Wehrhaftmachung der Nation“ und die Schaffung einer kriegsbereiten „Volksgemeinschaft“ gehörte zu den zentralen Projekten nationalsozialistischer Herrschaft. Kein anderer Staat investierte bereits in Friedensjahren einen ähnlich hohen Anteil des Bruttosozialprodukts in die Rüstung. Der Beitrag zeigt, dass die gemeinschaftliche „Hebung“ der Nation die deutsche Gesellschaft in einen Zustand dynamischer Spannung versetzte und vor allem Ungleichheiten und Disparitäten hervorbrachte: Unterschiede zwischen stagnierenden Regionen und neuen Zentren des Rüstungsbooms, Disparitäten zwischen stagnierenden und expandierenden Sektoren der Wirtschaft, massive Unterschiede durch Lohngefälle und Beschäftigungssituation, wie am Beispiel der Arbeiter in der Flugzeugindustrie, den Bergarbeitern und den Landarbeitern aufgezeigt wird.
Gleichzeitig beseitigte jedoch der Rüstungsboom die bestehende Ungleichheit zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen und weckte auch bei Beschäftigten in jenen Branchen Aufbruchs- und Ausbruchshoffnungen, die nicht unmittelbar am Rüstungsboom partizipierten. Aus gewachsenen Möglichkeiten und allgemeinen Aufbruchshoffnungen bezog die NS-Herrschaft kurzfristig enorme Bindekräfte, auch wenn solche Hoffnungen schon deswegen nicht zu befriedigen waren, weil es dem Nationalsozialismus nicht auf individuelle Selbstverwirklichung, sondern auf die durch ihn definierten Bedürfnisse der Nation ankam. Zudem warf der Rüstungsboom mittel- und langfristig enorme Finanzierungs- und Konversions-Probleme auf, die ohne massive strukturelle Brüche nicht zu lösen waren.
Die Disparitäten und Unterschiede widersprachen jedoch dem nationalsozialistischen Verständnis von „Volksgemeinschaft“ nicht, das nicht auf soziale Egalität, sondern auf eine rassistische Leistungsgemeinschaft mit „ewigen Differenzen“ (Hitler) abzielte, in der Gleichheit als gleicher Einsatz jedes und jeder Einzelnen für die Gemeinschaft definiert wurde, aber eben nicht als soziale Gleichheit, die dem Wertekosmos von 1789 zugeordnet war. Der Einwand, die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ sei wegen der bestehenden Ungleichheiten ein bloßes Propaganda-Trugbild gewesen, geht daher zumindest am nationalsozialistischen Verständnis dieses Begriffes vorbei.