Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Demokratie in der hellenistischen Polis?
Leitung: Christian Mann, Frankfurt am Main / Peter Scholz, Stuttgart
Abstract zur Sektion
Der politische Charakter hellenistischer Städte ist in der Forschung der letzten drei Jahrzehnte intensiv diskutiert worden. Dabei wurde überzeugend herausgearbeitet, daß die früher dominierende Vorstellung eines Niedergangs der Polis abzulehnen sei: Die Poleis besaßen auch in hellenistischer Zeit – ungeachtet der militärischen und ökonomischen Übermacht der neuen Königreiche – außenpolitische Spielräume, und ein Verfall bürgerlicher Institutionen oder der Bürgeridentität ist nicht zu erkennen. Während über die ungebrochene Vitalität der Polis weitgehend Einigkeit erzielt werden konnte, ist über die Frage, ob die hellenistischen Poleis als Demokratien bezeichnet werden können, eine Kontroverse entstanden. In der Sektion soll diese Diskussion fortgeführt und vertieft werden, indem die Gründe und Grundlagen für die unterschiedliche Bewertung der hellenistischen ‚Demokratien‘ in der althistorischen Forschung offengelegt werden. Dabei wird insbesondere nach der politischen Gleichheit bzw. Ungleichheit zu fragen sein: Wie war es möglich und wie wurde es bewerkstelligt, daß die Ansprüche der materiell und gesellschaftlich überlegenen ‚Wenigen’ mit der von der demokratischen Ideologie geforderten gleichmäßigen Partizipation aller Bürger am politischen Willensbildungsprozeß vereinbar wurden? Die Sektion versteht sich als Versuch, eine Debatte, die bislang im Kreise von Experten hellenistischer Inschriften geführt wurde, vor eine breitere Öffentlichkeit zu tragen und deren Relevanz auch für weitere Bereiche der (Alten) Geschichte zu verdeutlichen. Sie leistet damit zugleich einen Beitrag zu den in der gegenwärtigen politischen Diskussion vieldiskutierten Fragen um den Zusammenhang von sozialer Herkunft und politischer Macht und um die Reproduktion politischer Eliten und sozialer Ungleichheit.