Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Vergangenheitsnarrative – Narrations of the Past
Leitung: Mary Fulbrook / Christiane Winkler, London
Abstract zur Sektion
Auf welche Weise konstruieren Zeitzeugen ihre Erfahrungen zu „sinnvollen“ Lebensgeschichten? Welche Rolle spielt die Rekonstruktion von Vergangenheit für die individuelle und kollektive Sinnstiftung? Wie bewältigen und verarbeiten Menschen die Vergangenheit, indem sie sich ihrer entledigen, sie verdrängen oder sie im Gespräch, auf literarische Weise oder durch aktives Engagement immer wieder vergegenwärtigen?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Sektion zum Thema Vergangenheitsnarrative – Narrations of the Past, die unterschiedliche Re-Konstruktionen der nationalsozialistischen Vergangenheit von 1945 bis heute problematisiert. Vor dem Hintergrund der Einbettung der Nachfolgestaaten des „Dritten Reichs“ in das bipolare Weltanschauungssystem des Kalten Krieges und dessen Zusammenbruchs nach 1989 soll das Augenmerk in dieser Sektion auf individuelle Vergangenheitserzählungen und -rekonstruktionen von Angehörigen unterschiedlicher sozialer Gruppen gelegt werden.
Die Sektion bringt vier Wissenschaftler/-innen zusammen, die an englischen Universitäten zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts forschen – also gewissermaßen einen 'Blick von außen' auf die deutsche Geschichte und Historiographie haben. Alle vertretenen Forschungsprojekte beschäftigen sich mit unterschiedlichen Vergangenheitskonzepten und -erzählungen nach 1945. Die Beiträge sind neben dem komparativen Zugang zudem über die zentrale Frage nach dem Zusammenhang zwischen Geschichtsinterpretation, Vergangenheitsnarration und Identitätskonstruktion am einzelnen Beispiel bzw. einzelnen Beispielen thematisch miteinander verbunden. Wo sind diese Aspekte geographisch verortet? Welche Bedeutung spielt die Zugehörigkeit zu Generationen/Alterskohorten? Auf welche Weise beeinflussen politische Entwicklungen individuelle Formen und Bedürfnisse der Vergangenheitsdeutungen? Welche Erzählungen werden im „Familiengedächtnis“ weitertradiert und welche nicht? Welche Topoi tauchen in der literarischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wieder auf und welche gehen im Zuge der kulturellen Reproduktion der Vergangenheit verloren? Alle Vorträge verfolgen einen akteurszentrierten Ansatz, der die Einzelerzählungen des Individuums stark macht und die Rolle des Einzelnen in seiner historischen, sozialen und kulturellen Verortung für die Ausbildung von kollektivem Gedächtnis und Erinnerungskultur hinterfragt.
Einzelne Vorträge dieser Sektion werden auf Englisch gehalten. In der Diskussion sind jedoch selbstverständlich Fragen auf Deutsch und Englisch willkommen.